von Felicia Mutterer

“Willst du mit mir ficken?” oder “Mit ein bißchen Sekt kriegst du so richtig Bock auf meinen Schwanz”. Ich klicke auf “Löschen”. Mehr Beachtung schenke ich diesem Müll nicht, der gelegentlich bei mir ankommt. Doch was Gina-Lisa Lohfink passiert ist, lässt sich nicht einfach in den digitalen Papierkorb schieben.

Gina-Lisa Lohfink. Gehyped bei Germanys Next Topmodel, bekannt für Schlagzeilen aus ihrem Privatleben, berüchtigt für ihre Affäre mit Sängerin Loona, beachtet wegen ihrer Sätze wie “ein bisschen bi schadet nie…” und Sexvideos. Nun wurde sie öffentlich von zwei Männern geschändet. Der Stern hat das zusammengefasst. Nur unsere Rechtsprechung sieht das anders. Und das ist verheerend, es schützt die Falschen. 

Selbst wenn wir unterstellen, der Sex zwischen Gina-Lisa Lohfink, Pardis F. und Sebastian C. sei zunächst einvernehmlich gewesen. Dann wird einmal mehr deutlich: Männer diktieren. Sie sagt hörbar "Nein", die beiden Männer machen weiter. Doch diese klare Ansage an die beiden Männer genügt dem Gericht nicht als Beweis dafür, dass es sich hier um eine Vergewaltigung handelt - handeln muss. 

Warum? Die beiden haben sich über ihre Bitten hinweg gesetzt. Sie haben sie allem Anschein nach vergewaltigt. Es handelt sich hier um kein Missverständnis. Außerdem haben sie sie durch die veröffentlichten Handyvideos bloßgestellt. Geht’s noch?

Womöglich gilt Gina-Lisa für viele Männer als “leichtes Mädchen”, eine, die es doch “auch will” - auch dann, wenn sie “Nein” sagt. Zu kurzer Rock, zu volle Lippen und zu viel Spaß an Sex. Geilheit bringt bei solchen Männern womöglich den Glauben mit sich, sexueller Heilsbringer zu sein. Da fällt auch mal ein deutliches "Nein" hinten rüber. Zumal unsere Gesellschaft die Rollen von Frau und Mann klar definiert: Frauen als Objekt sind ja tausendfach in billig produzierten Pornos zu sehen, jeden Tag auf der Hamburger Reeperbahn zu kaufen und in den Flatrate Puffs der Republik rund um die Uhr verfügbar. Versicherungen bestellen sich Frauen als nackte Badenixen und glaubt man Gerüchten, so päppeln sich auch Vorzeigefußballer mit gekauften Frauen zum Erfolg. Frauen wollen. Sex. Immer. 

Unser Sexualstrafrecht macht es den Männern leicht an ihre schwachschwanzige Rolle zu glauben und das "Nein" einer Frau zu überhören. Statt das zu schützen, was Recht ist: Selbstbestimmter Sex. 



Felicia Mutterer
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STRAIGHT Magazine Chefredakteurin Twitter @fraumutterer



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