von Felicia Mutterer

Verflixt! Die hätten wir gerne mit Beschlag belegt. Ob sie je Beziehungen mit Frauen gehabt habe? „Ja, viele“, hat Cate Blanchett geantwortet – und damit so manche Frau sehr glücklich gemacht. Die Freude währte nur wenige Tage, bis die Schauspielerin bei einer Pressekonferenz zurückruderte. Der Variety-Reporter habe den zweiten Teil ihrer Antwort ausgelassen: „Meinen Sie, ob ich sexuelle Beziehungen zu Frauen hatte? Dann lautet die Antwort Nein.“

Das ändert nichts an der schlichten Wahrheit: Blanchett verdreht Köpfe. Sie hat diese kühle, unnahbare Eleganz, die es erst richtig beeindruckend macht, wenn ihre Figuren schließlich doch auseinanderbrechen. Eine majestätische Aura, sozusagen – kein Wunder, dass sie ihren ersten großen Erfolg 1998 als Königin Elisabeth I. hatte. Da war die Australierin 29. Kein Jungspund mehr, aber schon mit den ersten Trophäen für ihre Bühnenarbeit im Regal. Allein den Oscar hat sie seitdem zweimal gewonnen. Für ihre Hauptrolle in Woody Allens „Blue Jasmin“ 2014 und zuvor als beste Nebendarstellerin, als sie sich 2004 für „Aviator“ in Katharine Hepburn verwandelte.

Die Rolle der frühen Hosenträgerin war sicher nicht die schlechteste, um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Und wie viele haben wohl seit 2006 mit Judi Dench gelitten, die in „Tagebuch eines Skandals“ Cates Charme verfällt? Eine einseitige Geschichte, sicher, aber mit solchen Filmen landet man auf unserer Beobachtungsliste, Ms. Blanchett! Selbst vor einem Auftritt als Mann hat sie keine Angst, verkörperte 2007 in „I’m not there“ überzeugend Bob Dylan.

Und jetzt eben Carol. Natürlich spielt Cate Blanchett die Pelzträgerin im zentralen Liebespaar der Patricia-Highsmith-Verfilmung: die High-Society-Lady, die alles zu verlieren hat, wenn ihre Liebe zu Rooney Maras Figur bekannt wird. Sie spielt sie so gut, dass Kritiker ihr schon Chancen auf den nächsten Oscar zusprechen. Sie spielt eine Version von Cate Blanchett, auf die sich trotz aller Distanz auch die schüchterne, kleine, verliebte Verkäuferin Hoffnungen machen kann.

Aber für mich wird Cate Blanchett immer Galadriel sein. „Du kannst das auch“, höre ich die Stimme in meiner Erinnerung. Nein, Papa, es geht einfach nicht. Meine Füße wollen partout nicht so elegant die Treppe herabschweben wie die der Elbenkönigin. Na gut, ich bin 2001, bei Erscheinen des ersten „Herr der Ringe“-Teils, auch in meiner tiefsten Holzfällerhemd-Phase und vielleicht etwas störrisch. Aber die Szene brennt sich ein. Galadriel, Cate Blanchett, ist Perfektion. Und die muss immer außer Reichweite bleiben.

Außerdem – Realitätscheck! Unerreichbar bleibt die Schauspielerin, egal welche Version ihrer Vergangenheit stimmt. (Der Reporter hat auf seiner Darstellung beharrt.) Andrew Upton heißt der Glückliche, der seit 1997 zur wirklichen, privaten Cate Blanchett gehört. Erst im März diesen Jahres haben sie zu ihren drei biologischen Söhnen noch ein Mädchen adoptiert.

Die ganze Sache mit den „Beziehungen zu Frauen“ klingt da eher wie eine Spielerei mit den Erwartungen: Warum sollte sie die Liebe zu einer Frau auch nur aus Erfahrung spielen können? Dann wäre ihre Antwort frech gewesen. Und das passt doch zu der Frau, die gerne zitiert wird, sie habe die Rolle als Elbenkönigin Galadriel „im Grunde wegen der [spitzen] Ohren angenommen“.



Felicia Mutterer
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STRAIGHT Magazine Chefredakteurin Twitter @fraumutterer



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