von Felicia Mutterer

Es ist Dienstagmorgen. Ich liege eingekuschelt in meiner Decke und scrolle mich müde durch den Newsfeed von Facebook. Belanglose Nachrichten reihen sich aneinander, Statusupdates zum Gähnen. Aber dann. Nylon hat es schon gestern Abend gepostet und ich habe es verpasst. Die Gala legt sicher gleich nach. „Ellen Page zeigt sich zum ersten Mal mit ihrer Freundin Samantha Thomas“. NEIN! Nicht, dass ich wirklich geglaubt hätte, dass eine Frau wie Ellen Page noch Single ist. Die nackte Wahrheit aber am viel zu frühen Morgen ist für meine emotionale Beständigkeit zu viel. Ich springe auf, koche mir einen Kaffee und google die Bilder der letzten Nacht. Ellen und Samantha das erste Mal in der Öffentlichkeit, Hand in Hand auf dem roten Teppich des Toronto International Film Festivals.

Ok, ich muss es zugeben – sie sind schon sehr süß zusammen. Aber für einen Moment darf, ja muss ich mich jetzt an meiner Tasse festkrallen und meinem Promicrush eine Träne nachweinen.

Rückblende: Es ist ein Morgen im Februar 2014, als ich über ein Video stolpere. Die zierliche Ellen Page betritt, sichtlich nervös, die Rednerbühne bei der „Human Rights Campaign“-Konferenz. Das Scheinwerferlicht prallt an ihrer von Angstschweiß bedeckten Stirn ab. Die ersten Worte kommen ihr mit zitternder Stimme über die Lippen, aber mit jedem Wort wird sie energischer und selbstsicherer. Dann spricht sie es aus: „Ich bin heute hier... weil ich homosexuell bin“. Tosender Applaus brandet auf und ich bekomme eine Gänsehaut. Ellen haucht ein leises, erleichtertes „Puh“ ins Mikrofon. Niedlich. Ich schmelze dahin. Dafür gibt es ein straightes High-Five.

Es ist ja nicht so, als ob es nicht schon vorher um mich geschehen wäre. Ich habe es noch nicht ganz ausmachen könne, was es ist, dass Ellen Page diese – ich sage mal kitschig – verzaubernde Wirkung hat. Die rehbraunen Augen? Der charmante kanadische Akzent? Tolle Stimmen hauen mich um. Und irgendwie, trotz Hollywoodfame, scheint sie gar nicht so unerreichbar, meiner Lebenswelt doch irgendwie nah. Das bilde ich mir zumindest ein. Als ob ich sie einfach auf einen Kaffee einladen könnte. Kann ich nicht, werde ich nie. Aber man wird ja noch träumen dürfen...auch mit 30, wenn die Zeiten längst vorbei sind, als der Schwarm aus dem Bravo Starschnitt an der Wand hing. Nun ja, Ellen Page ist es, die mich mit ihren eigenen Worten zwar weiter schwärmen, allerdings nicht grämen lässt: „Wir alle verdienen es, Liebe uneingeschränkt und gleichberechtigt zu erfahren, ohne Kompromisse“. Und Ellen Page, ich gönne es Dir!  



Felicia Mutterer
Felicia Mutterer

Autor

STRAIGHT Magazine Chefredakteurin Twitter @fraumutterer



Schreiben Sie einen Kommentar


Vollständigen Artikel anzeigen

Ist das deine Mutter?
Ist das deine Mutter?

von Felicia Mutterer

Was ist eigentlich CSD?
Was ist eigentlich CSD?

von Felicia Mutterer

Gesucht und gefunden: Weltverbesserinnen!
Gesucht und gefunden: Weltverbesserinnen!

von STRAIGHT Redaktion