von Felicia Mutterer

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Wenn das Ding da drüben in die Luft geht, dann willst du, dass alle tot sind. Deine Mama, dein Papa, deine Geschwister und deine Freunde. Und auch du.” Das sagte Doris zu mir, eine Freundin meiner 14 Jahre älteren Schwester aus Hamburg. Wir standen bei herrlichem Wetter zusammen an einem Aussichtspunkt auf Schloss Bürgeln im südbadischen Schliengen und blickten auf die Rheinebene bis hinüber nach Frankreich.

Blick auf das AKW Fessenheim

Mit dem Ding war das Atomkraftwerk Fessenheim gemeint. Ich war zehn Jahre alt und spätestens von da an Atomkraftgegnerin.

Bereits drei Jahre zuvor, 1986, keimte kindliches Unbehagen in mir auf. Damals flog Tschernobyl in die Luft. Draußen durfte der Ball nicht mehr auf die Wiese fliegen und Schnittlauch aus dem eigenen Garten war ebenfalls tabu.

Aus dieser Irritation wurde beim Ausflug zu Schloss Bürgeln dann Angst. Angst vor Atomkraft. Später, bei einem Spaziergang in Albbruck, wo meine Patentante lebte, überkam mich Panik, als ich auf der anderen Seite des Rheins, dieses Mal in der Schweiz, das Kernkraftwerk Leibstadt sah. Damals hielt mich nur ein Gespräch über den erbitterten Bundesliga-Zweikampf des 1. FC Köln mit dem FC Bayern München von einem Weinanfall ab. Spazieren gehen wollte ich dort trotzdem nie wieder.

AKW Leibstadt

Es folgten Jahre mit Aufklebern und Unterschriften gegen Atomkraft. Aber auch Jahre des Vergessens: Hauptsache Strom. Ein bisschen verdrossen war ich auch: Die Meiler laufen doch sowieso weiter.

Mein persönlicher Atomausstieg kam erst 2011, ausgelöst durch die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima. Ich wurde fündig bei Naturstrom. Der Anbieter arbeitet unabhängig von Kohle- und Atomkraftwerken und vertreibt echten Ökostrom – und keine unechte Variante davon, die sich doch halb aus der atomaren Gefahr speist. Das Düsseldorfer Unternehmen war 1999 der erste Anbieter von Ökostrom in Deutschland, gegründet von Mitgliedern von Umwelt- und Naturschutzverbänden wie BUND und NABU. Es klang glaub- und vertrauenswürdig, dass wir für dieselbe Sache stehen – und ist es auch anhaltend. Gerade mal ein Formular musste ich ausfüllen, um auf den Strom umzusteigen, den ich moralisch vertreten kann. Den Rest erledigte Naturstrom für mich. Keine Mindestvertragslaufzeit, ein transparentes und faires Preissystem, keine Vorauszahlungen – der Ökostrom kann locker mit dem bösen Strom mithalten. Und für mich das allerwichtigste: 100 Prozent Strom aus Wind- und Wasserkraft und Förderung der Energiewende.

Wenn ich heute meine Familie in Südbaden besuche, sehe ich bei jedem Spaziergang auf meinem Lieblingsweg das Atomkraftwerk Fessenheim. Meistens sitze ich dabei mit Freunden*innen auf der Bank und sage: „Schau mal, da drüben ist Fessenheim, hast du jetzt endlich deinen Stromanbieter gewechselt?“

#naturstromJETZT

 



Felicia Mutterer
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STRAIGHT Magazine Chefredakteurin Twitter @fraumutterer



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